Referendarzeit

Vorbereitungsdienst für den höheren Staatsdienst im Markscheidefach (Referendarzeit)


Die wichtigste Voraussetzung zur Anerkennung als Markscheider ist das Bestehen der Großen (Zweiten) Staatsprüfung nach Absolvieren eines ca. zweijährigen Vorbereitungsdienstes für den höheren Staatsdienst im Markscheidefach unter Leitung der jeweils zuständigen Landes-Bergbehörde. Einzelvorschriften über die Gestaltung des Vorbereitungsdienstes und die anschließende Große (Zweite) Staatsprüfung sind aus den Ausbildungs- und Prüfungsverordnungen des jeweiligen Landes ersichtlich. Wenngleich die Titel der Ausbildungs- und Prüfungsverordnungen von Land zu Land geringfügig variieren, ist ihr Inhalt zwischen den Ländern über dem Länderausschuss Bergbau abgestimmt und daher grundsätzlich gleich.

Derartige Verordnungen gibt es nur in den Bundesländern, die tatsächlich den Vorbereitungsdienst für den höheren Staatsdienst im Markscheidefach durchführen: Nordrhein-Westfalen (Ausbildungs- und Prüfungsverordnung aus dem Jahre 1975), Niedersachsen (1976), Saarland (1980), Hessen (1986), Sachsen (1995), Thüringen (1997), Brandenburg (1998).

Die Ausbildung während des Vorbereitungsdienstes ist ähnlich umfassend wie das Hochschulstudium, dessen Inhalte jedoch - abgesehen von gelegentlichen Ber ührungspunkten - nicht wiederholt werden sollen. Vielmehr bietet der Vorbereitungsdienst Gelegenheit, Erfahrungen bei den Stellen zu sammeln, mit denen der Markscheider bei seiner späteren Berufstätigkeit zusammenzuarbeiten hat (Beispiel Nordrhein-Westfalen: Bergwerksunternehmen, Geologischer Dienst, Landesvermessungsamt, Katasteramt, Behörde für Landesplanung, Wasserwirtschaft oder Verkehr, Umweltbehörde, Bergamt, Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung Bergbau und Energie in NRW). Aspekte des allgemeinen Rechts, der Verwaltungsverfahren, des Bergrechts und des markscheiderischen Vorschriftenwesens kommen während des Vorbereitungsdienstes und in der Großen Staatsprüfung eine besondere Bedeutung zu.


Einzelheiten der Referendarausbildung sollen am Beispiel des Landes NRW erläutert werden:

Wichtigste Voraussetzung zur Einstellung in den Vorbereitungsdienst der Laufbahn des höheren Staatsdienstes im Markscheidefach ist das Bestehen der Diplom-Hauptprüfung bzw. Master-Abschlussprüfung im Markscheidefach an einer deutschen wissenschaftlichen Hochschule (Aachen, Clausthal, Freiberg) oder einer als gleichwertig anerkannten Prüfung (z. B. Diplomprüfung an der Montanuniversität Leoben/ Österreich). Außerdem muss der Bewerber die Ausbildung als Beflissener des Markscheidefachs, ein 200 Schichten umfassendes Praktikum, ordnungsgemäß abgeschlossen haben. Einzelheiten über dieses Praktikum finden Sie hier.

Während des Vorbereitungsdienstes für den höheren Staatsdienst im Markscheidefach wird der Bewerber in das Beamtenverhältnis auf Widerruf berufen und zum Bergvermessungsreferendar (in anderen Ländern auch Bergreferendar) ernannt. Der Referendar erhält eine Ausbildungsvergütung.

Die längsten Ausbildungsabschnitte werden bei Bergwerksunternehmen (fünf Monate) und beim Oberbergamt bzw. dessen Nachfolgebehörde (acht Monate) absolviert. Der früher übliche Schwerpunkt der Ausbildung im (Steinkohlen-)Tiefbau ist inzwischen nicht mehr unabdingbar. Kürzere Ausbildungsabschnitte finden bei Behörden und sonstigen Stellen statt, mit denen der Markscheider im Berufsleben häufig zusammenarbeitet: Geologischer Dienst, Landesvermessungsamt, Katasteramt, Behörde für Landesplanung, Wasserwirtschaft oder Verkehr, Bergamt (zum Teil Nachfolgeinstitutionen). Diese Ausbildungsabschnitte können auch bei entsprechenden Stellen im Ausland abgeleistet werden; von dieser Möglichkeit ist gelegentlich Gebrauch gemacht worden. Nicht zuletzt die einmonatige Reisezeit ist geeignet, dem Referendar ein abgerundetes Bild der deutschen Bergbaugebiete und sonst interessanter Betriebe (z. B. des Instrumentenbaus) zu vermitteln. Es ist Praxis geworden, dass nicht nur deutsche Unternehmen besucht werden, obwohl die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung des Landes NRW dies an sich vorsieht.

Am Ende der Referendarzeit ist die Große (auch "Zweite" genannt) Staatsprüfung abzulegen, die aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil besteht. Prüfungsgremium ist der „ Gemeinsame (d. h. bundesweittätige) Prüfungsausschuss für den höheren Staatsdienst im Markscheidefach", der aus dem Vorsitzenden und vier Beisitzern (zwei Markscheider, ein Jurist, ein Bergbau-Ingenieur) besteht. Die Mitglieder des Prüfungsausschusses und deren Vertreter stammen aus den Bundesländern, die überhaupt Bergvermessungsreferendare ausbilden. Dies waren ursprünglich nur Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und das Saarland. Später sind die Länder Hessen, Sachsen, Thüringen und Brandenburg hinzugekommen. Die mit Abstand größte Zahl von Bergvermessungsreferendaren ist in Nordrhein-Westfalen ausgebildet worden, gefolgt in erster Linie von Niedersachsen, später dann auch von Sachsen, weniger in den anderen in Betracht kommenden Bundesländern. Die Angelegenheiten des Gemeinsamen Prüfungsausschusses sind in Staatsverträgen zwischen den beteiligten Ländern geregelt. Daraus ergibt sich auch, dass die Geschäftsführung des Prüfungsausschusses vom Ministerium für Wirtschaft und Mittelstand, Energie und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen mit Sitz in Düsseldorf wahrgenommen wird. Die meisten Prüfungen (auch nicht nordrhein-westfälischer Kandidaten) finden daher in Düsseldorf statt.

Der schriftliche Teil der Prüfung beginnt mit einer häuslichen Prüfungsarbeit, für deren Anfertigung zwei Monate zur Verfügung stehen. Im Gegensatz zu der früheren Gepflogenheit, diese Arbeit bei der Bergbauindustrie über von dort vorgeschlagene Themen zu schreiben, stammen die Aufgaben seit längerer Zeit zunehmend aus den Arbeitsbereichen der Bergbehörden.

Die in der Regel etwa einen Monat nach Abgabe der häuslichen Prüfungsarbeit an drei aufeinander folgenden Tagen zu schreibenden Aufsichtsarbeiten, für deren Anfertigung jeweils fünf Stunden zur Verfügung stehen, betreffen markscheiderische, bergtechnisch/bergwirtschaftliche und bergrechtliche Themen.

Auf diese Sachgebiete bezieht sich auch die mündliche Prüfung, die in der Regel etwa einen Monat nach Anfertigung der Aufsichtsarbeiten stattfindet. Die mündliche Prüfung beginnt mit einem freien Vortrag aus den Akten der Bergbehörde.

Die Leistungen der schriftlichen und mündlichen Prüfung werden je nach Bundesland formal unterschiedlich (Notensystem/Punktesystem) bewertet. Die Prüfung ist bestanden, wenn das Gesamtergebnis mindestens „ ausreichend" ist (Beispiel Nordrhein-Westfalen, evtl. Abweichungen in anderen Bundesländern).

Mit dem Bestehen der Großen (Zweiten) Staatsprüfung ist der Referendar befugt, die Berufsbezeichnung  "Assessor des Markscheidefachs" zuführen. Dies ist Grundvoraussetzung für den Eintritt in den höheren Staatsdienst im Markscheidefach sowie für die Anerkennung als Markscheider.

Diese und weitere Informationen finden Sie beim Deutschen Markscheiderverein e.V.

 

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