USA Exkursion 1996

Exkursion des Instituts in die USA 1996


Vom 14. bis 30. September 1996 hat das Institut für Markscheidewesen unter Leitung von Prof. Dr. Pollmann eine Exkursion
nach Arizona und New Mexico veranstaltet. Das Programm umfaßte die Befahrungen mehrerer Bergwerke und eines Endlager- projekts, sowie die Besuche eines Softwareunternehmens und der Universität von Arizona.

Insgesamt nahmen acht Betreuer bzw. Studenten an der Exkursion teil. An dieser Stelle sei zunächst den Spendern herzlich
gedankt, ohne deren Unterstützung die Realisierung der Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre.

Zu Anfang der Exkursion stand der Besuch bei der Firma Modular Mining Systems in Tuscon, Arizona. Wichtigstes Produkt des Unternehmens mit etwa 200 weltweit tätigen Mitarbeitern ist das GPS-gestütze Logistiksystem Dispatch. Das System wird überwiegend im Festgesteinstagebau eingesetzt. Der Ort, Betriebs- und Wartungszustand aller Tagebaugeräte und Fahrzeuge werden per Datenfernübertragung zentral erfaßt und der Produktionsablauf online optimiert. Im ersten Halbjahr 1996 installierte die Firma Modular rund 3000 GPS-Empfänger
und Datenübertragungseinheiten. Auf der Chino Mine der Phelps Dodge Corperation in Hurley, New Mexico, konnten sich die Exkursionsteilnehmer vom erfolgreichen Einsatz des Systems überzeugen.

Chino Mines ist einer der größten Kupfertagebaue der USA. Die Gewinnung erfolgt sprengend, die Aufnahme des Sprengguts durch Löffelbagger, der Transport zum Brecher mit 290 Tonnen SKW.
Endprodukt von Chino Mines sind Kupferanoden mit 385 kg Gewicht und einer Reinheit von 99,8 %. Die Einführung GPS-gestützer Tagebauaufmaße hat bei Chino Mines zu einer erheblichen Rationalisierung geführt.

Es wurde jedoch kein Personal eingespart. Die Erfassung größerer Mengen an Meßdaten führte zu einem höherem Bedarf
nach Auswertung und Analyse. Beispielsweise werden täglich alle Sprengbohrlochansatzpunkte eingemessen und gehen zusammen mit den Ergebnissen der Bohrkernansprache in die Lagerstättenbearbeitung ein.


Nördlich von Tuscon wurde eine weiteres Kupferbergwerk, die BHP San Manuel Operations, befahren.
Auf San Manuel wird untertägig Blockbruchbau betrieben. Zusätzliche Gewinnungsverfahren sind Halden- und In-Situ Laugung. Bemerkenswert aus heimischer Sicht sind die vergleichsweise enormen Bodenbewegungen, verursacht durch konzentrierten Blockbruchbau.

Der Besuch des Departments of Mining and Geological Engineering an der University of Arizona in Tuscon brachte den
direkten Vergleich zwischen US-amerikanischer und deutscher Hochschulausbildung.
Im nationalen Ranking liegt die Bergbauausbildung in Tuscon hinter der Colorado School of Mines auf dem zweiten Platz. Deutliche Unterschiede zur deutschen Ausbildung gibt es vor allem in den niedrigen Semestern.
Aufgrund der kürzeren Schulzeit besteht an den Hochschulen die Notwendigkeit Allgemeinbildung zu vermitteln. Konsequenterweise sind in der fachlichen Ausbildung Abstriche zu machen.
Beispielsweise verlangt der Bacheler of Engineering, der dem deutschen Fachhochschulabschluß entspricht, keine schriftliche Abschlußarbeit. Diese fällt frühestens nach zwei weiteren Studienjahren an, die zum Master of Engineering führen, der dem deutschen Hochschuldiplom entspricht.
Den US-amerikanischen Doktorgrad (Ph.D. Philosophiae Doctor - es gibt im amerikanischen keinen Dr.-Ing.) erhält man
ebenfalls durch ein Aufbaustudium. Dieses umfaßt neben der Forschungstätigkeit auch fachübergreifende Unterrichtsfächer.

Die Berufsaussichten für Bachelorabsolventen wurden als zur Zeit ausgesprochen gut bezeichnet.
Fast alle Studenten hätten schon vor Abschluß ihres Studiums einen Arbeitsvertrag unterzeichnet.
Dementsprechend gering sei die Bereitschaft der Studenten das Master bzw. Ph.D. Studium aufzunehmen.
Der zwangsläufig entstehende Bedarf höher qualifizierter Ingenieure an der Hochschule und in der Industrie wird übrigens
durch ausländische Absolventen gedeckt. Eine erfreuliche Nachricht auch für deutsche Studenten.
Die Bewerbung deutscher Absolventen für ein Ph.D. Studium ist vergleichsweise unproblematisch.
Einstufungstests lassen sich gegebenenfalls durch ein direktes Bewerbungsgespräch umgehen.
Die Aussicht auf finanzielle Unterstützung wurde als günstig bewertet.

In der Nähe von Carlsbad, New Mexico, wurde das Waste Isolation Pilot Plant (WIPP) besucht.
Die WIPP ist ein Projekt zur Endlagerung militärisch entstandener radioaktiver Reststoffe im Salzgebirge.
Derzeit werden solche Stoffe in den USA an zahlreichen übertägigen Standorten zwischengelagert.
Festzustellen ist, daß die US-Amerikaner noch keine über Tests hinausgehenden Erfahrungen im Endeinlagerungsbetrieb
haben. Im Vergleich zu deutschen Projekten ist bemerkenswert, daß in derselben Lagerstätte Bergbau auf Salz stattfindet.

Der letzte Besuch fand bei der McKinley Mine, einem Steinkohlentagebau in der Nähe von Gallup, New Mexico, statt.
Die meisten Exkursionsteilnehmer machten dort erstmals Bekanntschaft mit Scrapern und Schreitbaggern.
Der Tagebau liegt in einem Indianerreservat. Aus diesem Grund dürfen nur Arbeitskräfte indianischer Abstammung eingestellt werden. Im Gegensatz zu den zuvor befahrenen Bergwerken ist es für deutsche Studenten kaum möglich auf der McKinley
Mine zu praktizieren.

Abschließend kann gesagt werden, daß sämtliche Exkursionsteilnehmer durch die Vielseitigkeit der Erfahrungen gänzlich beeindruckt waren. Dazu gehörten bergbautechnische Lösungen, die in dieser Form nur in den USA realisiert sind, sowie aufschlußreiche Vergleiche zum deutschen Bergbau. Hinzu kamen durch das Wochenendprogramm einmalige landschaftliche Eindrücke, wie beispielsweise die Nationalparks Painted Desert, Petrified Forest, Carlsbad Caverns und Grand Canyon.

 

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