Tagungsbericht

Größte wissenschaftliche Veranstaltung der TU

8. Altbergbau-Kolloquium mit 450 Teilnehmern im Rammelsberg Museum ausgerichtet

Goslar. Die Zahlen klingen alarmierend: Unter der russischen 170.000-Einwohner-Stadt Berezniki verlaufen hunderte Kalischächte. Aufgrund der Gefahr von Tagesbrüchen mussten binnen einem Jahr 3000 Einwohner evakuiert werden. Und unterhalb einer Bahnstrecke ist die Erde in nur sechs Monaten um 60 Zentimeter abgesackt. Eine Arbeitsgruppe um Professor Wolfgang Busch, Leiter des Instituts für Geotechnik und Markscheidewesen der TU Clausthal, registriert die Bodensenkungen mit Satellitenaufnahmen und trägt so zu einem Frühwarnsystem bei. Das Verfahren, das sich Radarinterferometrie nennt, hat der Harzer Wissenschaftler auf dem 8. Altbergbau-Kolloquium vom 6. bis 8. November in Goslar vorgestellt.

Mit annähernd 450 Teilnehmern war diese Konferenz die größte wissenschaftliche Veranstaltung der Technischen Universität Clausthal in diesem Jahr. Mehr noch. „Auf dem Gebiet des Altbergbaus ist es die führende Tagung im deutschsprachigen Raum“, erläuterte Dr. Klaus Maas. Er zeichnete neben Institutsleiter Professor Busch für die Organisation der Mammutveranstaltung verantwortlich. Das Anliegen der Branche ist es, Schäden, die durch alte Stollen, Gruben oder Schächte drohen, zu verringern.

Ursprünglich hatte der Event in der Clausthaler Aula stattfinden sollen. Da der größte Veranstaltungsort der Bergstadt aber nur bis zu 300 Tagungsgästen Platz bieten kann, musste eine Alternative gefunden werden. Aus der Not haben die Veranstalter eine Tugend gemacht und sich ins imposante Bergwerksmuseum und Weltkulturerbe Rammelsberg einquartiert. Genauer gesagt wurde das Kolloquium in der dortigen Schlosserei ausgerichtet. Am praktischen Bezug fehlte es nicht. Mitten zwischen Maschinen, Stahlträgern und Schmiedefeuer trugen die Referenten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Behörden 40 Fachvorträge vor, die durch zwei Großleinwände im Stile von Public Viewing illustriert wurden. Lothar Lohff, Präsident des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie, brachte es in seinem Grußwort auf den Punkt: „In einem Bergwerk mit 1000-jähriger Geschichte, dem wohl ältesten Deutschlands, trifft man sich zum Altbergbau-Kolloquium – das passt.“

Seit 2001 kommen Geotechniker, Markscheider, Bergleute, Geologen, Geophysiker und Bauingenieure aus Deutschland, Österreich, Polen, der Schweiz, und den Benelux-Staaten einmal jährlich zusammen. Sie tauschen sich aus über Forschungsergebnisse, Probleme sowie Besonderheiten, besprechen neue Möglichkeiten der Erkundung und Dokumentation und verdichten ihr Netzwerk. Getragen wird die Veranstaltungsreihe neben dem Clausthaler Institut von zwei Einrichtungen der TU Bergakademie Freiberg sowie vom Arbeitskreis „Altbergbau“. Hauptziel der Kolloquien ist es, „einen praxisorientierten Leitfaden nach dem Stand der Technik zu erstellen“, sagte der Obmann des Arbeitskreises, Dr.-Ing. Günter Meier, mit Blick auf die teils aufsehenerregenden Tagesbrüche und Rutschungen in stillgelegten Bergbauen.

In Deutschland sind die Bundesländer Sachsen und Nordrhein-Westfalen am schlimmsten betroffen. In Sachsen stehen mehr als zwei Drittel der besiedelten Fläche in irgendeiner Art mit Altbergbau in Verbindung, in Nordrhein-Westfalen sind mehr als 60.000 potenzielle Schadensflächen registriert. Jährlich müssen hierzulande mehrstellige Millionenbeträge in Sicherung, Sanierung und Nachnutzung investiert werden. Rechtliche und wirtschaftliche Aspekte gilt es zu klären. Auch der Oberharz ist betroffen, wie der Schaden am Schacht Eleonore in Clausthal-Zellerfeld zeigt. „Aber so gravierend wie in Sachsen oder Nordrhein-Westfalen ist die Lage im Harz nicht“, sagte Dr. Maas. Das weltweit spektakulärste Beispiel von Tagesbrüchen ist derzeit vermutlich im russischen Berezniki zu beobachten. Der Krater dort erreicht die Größe von mehreren Fußballfeldern.

 

 

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