3. Praxistag der Geotechnik

„Wissen teilen, Know how präsentieren“

Georado (Geotechnische Erlebniswelt) lud zum dritten Mal zum Praxistag der Geotechnik in den Tharandter Wald/Sachsen ein, dieses Jahr mit dem Schwerpunkt Naturgefahren. Im Fokus des Praxistages stand die Weitergabe von Fachwissen, praktischen Anwendungen in der Geotechnik, sowie der Erfahrungsaustausch zwischen Studierenden, Professoren, Ingenieurbüros und Unternehmen der Branche. Der Praxistag findet halbjährlich in der geotechnischen Erlebniswelt der Georado-Stiftung statt, der ausgewählte geotechnische Konstruktionen, bspw. Spundwandverbauten, Murenschutz, Steinschlagsicherungen etc. im Maßstab 1:1 zum anfassen aufgebaut sind.

Die Exkursionsgruppe bestand aus mehreren Teilnehmern des Studiengangs Geoenvironmental Engineering und fand unter der Leitung des Instituts für Geotechnik und Markscheidewesen, Prof. Dr.-Ing. N. Meyer, statt. Nach Ankunft auf dem Gelände konnten sich die Exkursionsteilnehmer ihre Workshops und Fachvorträge aussuchen und so ihren Tag individuell gestalten. Aus einer Vielzahl von Angeboten konnte innerhalb der sechs frei belegbaren Slots aus insgesamt 13 verschiedenen Stationen gewählt werden, darunter verschiedene Bohr- und Ankertechniken, Geokunststoffe, Baugrundverbesserungen durch Injektionen sowie Sicherungsverfahren, um sich vor Naturgefahren zu schützen.

Den Startschuss in den Tag erfolgte durch einen Fachvortrag von Professor Feuerbach, von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, welcher über sein aktuelles Forschungsthema Hang- und Böschungsbewegungen referierte. Sein Augenmerk lag besonders auf der Schadensreduzierung und der Risikoverminderung infolge Rutschungen und Murgängen.

In Anlehnung an den Impulsvortrag hörten sich die Exkursionsteilnehmer zwei Vorträge über Naturgefahren und deren Sicherung an. Durch den Klimawandel und die zunehmende Besiedelung gefährdeter Bereiche muss davon ausgegangen werden, dass die Zahl an Naturereignissen und Katastrophen weiter ansteigen wird. Durch eine geeignete Sicherung kann in vielen Fällen die Beschädigung und Zerstörung von Gebäuden und Infrastruktur verhindert werden. Steinschlagschutznetze und Drahtgeflechte dienen zur Böschungs-Sicherung, um das Loslösen von instabilen Bereichen zu verhindern. Sie werden damit als primäre Sicherungssysteme eingesetzt, während Murgangnetze und Fangnetze vor verheerenden Schäden bewahren sollen. Am Nachmittag bestand auch die Möglichkeit selbst einen Fangzaun zu errichten.

Die Mittagspause bei Currywurst und Pulled-Pork-Burgern ließ die Möglichkeit sich mit anderen Praxistagteilnehmern auszutauschen und sich das Gelände, bzw. die Ausstellungsstände, weiter anzusehen. Im Anschluss hörte die Gruppe einen Praxisvotrag über Geokunststoffe. Diese können in den verschiedensten Bereichen der Geotechnik zum Einsatz kommen, welches vor allem ihren unterschiedlichen Funktionen geschuldet ist (drainieren, stabilisieren, bewehren, sichern etc.). Praxisnah bewehrten die Teilnehmer den Bau eines Geogittern stabilisierenden Sandboden, um eine extrem tragfähige Sandburg zu bauen. Die Konstruktion ließ eine hohe Festigkeit der Geogitter erkennen, wie im nebenstehenden Bild ersichtlich ist. Des Weiteren wurden Pull-Out-Versuche und die Anwendung als Trägermaterial für Wasserfilter demonstriert.

Der im Anschluss folgende Workshop befasste sich mit Expansionsharzen. Es wurde exemplarisch ein flüssiges Zweikomponenten-Kunstharzsystem in den Boden injiziert. Das Harz expandierte – mit einer 30-fachen Volumenzunahme – unmittelbar im Untergrund und es kam zu einer Hebewirkung im Boden. Dadurch können beispielsweise setzungsanfällige Bodenschichten verbessert oder schädliche Setzungen rückgängig gemacht werden.

Nach diesen beiden Vorträgen zum Bereich der Baugrundverbesserung und einer Kaffee- und Kuchenpause folgten die beiden letzten Workshops des Tages. Ein komplett anderen Teilbereich der Geotechnik betrachtete der Vortrag über Verankerungen. Besonders im Bereich tiefer, großer Baugruben sind diese häufig von Nöten, da diese oftmals die einzige Möglichkeit sind, verformungsarm im innerstädtischen Bereich die Wände zu verankern. Durch die vorhandenen Modelle der Anker konnten die Studierenden erkennen, welche verschiedenen Systeme es gibt und somit eine Vorstellung bekommen, wie diese richtig in den Boden eingebracht werden (Litzenanker, Stabanker, Nägel etc.). Durch das vielseitige Angebot der Veranstaltung teilten sich die Exkursionsteilnehmer für den letzten Workshop auf. Der eine Teil beschäftigte sich mit einer wichtigen Thematik, nämlich dem Stoppen von Wassereinbrüchen mit Hilfe von Injektionen. Wasser kann bei vielen Bauprojekten zu großen Problemen führen, weswegen ein Stoppen oder Umlenken sich oftmals als einzige Lösung heraus stellt. Der andere Teil der Teilnehmer kam noch einmal in den Genuss, selbst eine Bohrung durchzuführen

Den Abschluss des Tages bildete eine Führung durch die Geoart-Ausstellung, eine kleine Gemäldegalerie des Künstlers Harald Hoffmann de Vere. Er selbst übernahm die Führung und erläuterte seine Beweggründe und Absichten hinter seinen Arbeiten, in welchen er den Wandel der Hauptstadt in seinen Werken festhielt. Nach einem langen informativen Tag kehrte die Exkursionsgruppe den Heimweg zurück nach Clausthal an.

 

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